Wie arbeitet der Fotograf der Zukunft ?

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Die Einflüsse Künstlicher Intelligenz auf den Beruf des Fotografen und der Entwurf des Hochzeitsfotografen-Roboters Y.E.S.

 

Künstliche Intelligenzen (KI) sind unserem Gehirn nachempfundene neuronale Netzwerke und seit mehr als 7 Jahrzehnten Gegenstand der Forschung und Entwicklung, erleben aber erst jetzt mit rasanter Geschwindigkeit ihren Durchbruch. Roboter und Algorithmen haben leise Einzug in unser Leben gehalten und bekommen immer größere Bedeutungen. Sie verändern unseren Alltag in vielen Bereichen, indem sie wichtige Entscheidungen treffen und unser menschliches Denken und Verhalten automatisieren. Social Media Algorithmen bestimmen, was wir im Feed sehen, während Alexa das Licht einschaltet und den neuesten Bestseller vorliest. Derweil sortiert unser Smartphone Fotos wie von Zauberhand. Künstliche Intelligenzen verändern die Kriegsführung und halten auch längst in der medizinischen Fachwelt Einzug.

 

Epochen

Während im Zeitalter der Industrie unsere Muskelkraft durch Maschinen ersetzt wurde, liegt der Schwerpunkt der digitalen Revolution auf unseren geistigen Leistungen. Dadurch werden laut einer Oxford Studie in 25 Jahren ca. 47% der heutigen Jobs verschwunden sein. Dass Berufe aufgrund gesellschaftlicher Evolution verschwinden ist nicht neu und gehört wohl zum Lauf der Dinge. Die meisten unserer Vorfahren haben Berufe ausgeübt, die uns heute kein Begriff mehr sind oder wisst ihr vielleicht, was ein Fischbeinreißer gemacht hat? 

 

Wie sieht es dann wohl mit der Berufswelt des Fotografen aus?

Werden künstliche Intelligenzen den Beruf des Fotografen verdrängen oder unterstützen? Der fotografische Bereich ist vielfältig und besteht aus den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern. Technische Revolution könnte uns in naher Zukunft zum Beispiel helfen, weniger Zeit mit der Bildbearbeitung zu verbringen bzw. sie komplett zu automatisieren. Langfristig ist das Potential allerdings kaum überschaubar, wir trauen uns dennoch einen Blick in die Zukunft zu werfen.

 

Zukunftsentwurf eines künstlichen Hochzeitsfotorafen Roboters

Entwerfen wir doch mal eine grobe Skizze eines Roboters, der in der Lage ist Hochzeiten zu dokumentieren. Natürlich geben wir ihm einen Namen, schließlich soll er über die Sprachsteuerung ja auch ansprechbar sein. Nennen wir ihn einfach Y.E.S. (yes!) Er ist so programmiert, dass er sich auf ebenen sowie unebenen Flächen bewegen kann, daher kann man ihn auch auf Offroad Hochzeiten und für "Epic Shots" in den Bergen einsetzen. Y.E.S. hat natürlich Linsen verschiedenster Art (Weitwinkel bis Tele) integriert, mit denen er gleichzeitig in alle Richtungen (360Grad) aufnehmen kann. Da er über ausreichend Daten- und Arbeitsspeicher verfügt macht er keine Bilder, sondern filmt ununterbrochen in 12K, um so das größtmögliche Auswahlmaterial zu erstellen. Ein in Echtzeit auf einen Server übertragenes Backup sichert die Daten (falls mal ein Komet auf ihn stürzt!). 
Da Y.E.S. vorab mit allen Gesichtern der Gäste gefüttert wurde, erkennt er diese problemlos und holt sich vor der Aufnahme das Einverständnis zur DSGVO. Die Unterschriften hierfür sammelt er auf einen eigens angebrachten Unterschriften-Pad. Auch Emotionen kann er problemlos in den Gesichtern lesen und Handlungen erkennen, da sämtliche Muster in ihm gespeichert sind. Y.E.S. ist zu 70% auf fröhliche Gesichter und zu 30% auf melancholisch, nachdenkliche Gesichter programmiert. Das lässt sich, je nach fotografischem Stil und Vorlieben, selbstverständlich individualisieren und erweitern.
Nun gibt es auf einer Hochzeit ja die unterschiedlichsten Emotionen und Handlungen, daher muss Y.E.S. nach Prioritäten entscheiden, wohin er sich bewegt um Geschehnisse aufzunehmen. Ganz oben auf der Liste stehen jedenfalls Tränen, der Ringtausch, küssende Paare, wild feiernde Gäste und Blumen. Diese Prioritäten sind wiederum individualisierbar. Da Y.E.S. riesige Datenmengen an den unterschiedlichsten Hochzeiten und Abläufen in sich trägt, kann er genau berechnen wie Brautpaar und Gäste sich verhalten werden und welcher Programmpunkt als nächstes folgen wird. So wird er sich jederzeit passgenau einstellen. Außerdem lernt er, dank weit fortgeschrittener Deep Learning Technologie, immer wieder dazu und optimiert seine Arbeitsweise eigenständig indem er neue Emotionen und Handlungen speichert, bewertet und einordnet. Y.E.S. entgeht nichts und wenn mal sehr viel los ist, ist Y.E.S.2.0. sofort einsatzbereit.
Selbst das Portraitfotoshooting ist kein Problem für Y.E.S., trägt er doch eine umfangreiche Bibliothek an klassifizierten Posen für Paare, sowie Einzelposen für Braut und Bräutigam in sich, die er nach den Persönlichkeitsmerkmalen und via Zufallsalgorithmen immer wieder neu kombiniert, kommuniziert und so individuelle Ergebnisse erschafft. Anhand der Bilder und Daten zur Familie und Beziehungen von und zu den Gästen errechnet er passende Konstellationen für die Gruppenfotoaufnahmen. Eine Schnittstelle zu Social Media Kanälen vereinfacht den Zugriff und die Analyse und Speicherung dieser Daten.
Parallel zum Geschehen verarbeitet Y.E.S. bereits die Aufnahmen. Er beherrscht die allgemein gültigen Regeln bezüglich Komposition und Farben, da er vorab mit den 10.000 am besten bewerteten Hochzeitsbildern im Netz gefüttert wurde.  Aus den Videoaufnahmen werden Frames, nach den festgelegten Gestaltungsregeln wie z.B. die Drittel-Regel, gefiltert und erstellt. Y.E.S. ist in der Lage Schönheit zu vermessen, und errechnet so einen ästethischen Wert, der in die Berechnungen einfliesst. Auch filtert Y.E.S. ca. 2% an Bildern, die nicht klassifiziert werden können heraus, um eigenständig neue Muster zu erkennen, da auch der Regelbruch ein Muster in sich trägt, welches Y.E.S. problemlos analysieren kann. Damit ist er kreativ und schafft Kunst, was die Fortentwicklung des Bildstils antreibt. Nach der Filterung startet die vollautomatisierte Bildbearbeitung. Bereits nach wenigen Sekunden ist die Hochzeitsreportage fertig und kann direkt an das Hochzeitspaar und an alle den Gesichtern zugeordneten Emailadressen übermittelt werden. Datenübertragung in Echtzeit natürlich.
Wenn das Hochzeitspaar am morgen nach der Hochzeit erwacht, ertönt ein leises Summen vor dem Haus. Das fertige Hochzeitsalbum und die obligatorischen FineArtPrints werden via Drohne geliefert. Ein voll automatisierter Fullfillment Service hat es möglich gemacht.

 

Utopie?

Das Bild von Y.E.S., wie er in Zukunft existieren könnte, kann man sicherlich noch unendlich ausfeilen. Und nach dem heutigen Stand ist Y.E.S. natürlich nicht mehr als eine technologische Utopie, denn um einen Fotografen ersetzen zu können, muss eine künstliche Intelligenz nicht nur logische Denkmuster nachahmen können, sondern die Umwelt selbstständig erfassen und auf diese reagieren. Zu den menschlichen geistigen Leistungen gehört nicht nur die Logik, sondern auch die Kreativität, sowie soziale Kompetenzen und Empathie.

Laut Süddeutsche.de liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Beruf Fotograf durch einen Computer bzw. künstliche Intelligenz ersetzt wird, bei geringen 2,1% und gehört damit zu den weniger gefährdeten Berufsgruppen. Zu der Oxford Studie gibt es eine Suchmaske, in die ihr auch andere Berufe eingeben könnt, die in der Studie berücksichtigt sind.

Wir wissen nicht was kommen wird. Was wir aber wissen ist, dass kreative Arbeit, Empathie und soziale Kompetenzen schwerer (oder vielleicht auch gar nicht) zu automatisieren sind und daher der Fotograf hoffentlich nicht so schnell verdrängt werden wird, wie manch anderer Beruf. Glück gehabt :)

Was meint ihr? Wie intelligent ist künstliche Intelligenz? Können künstliche Intelligenzen schlauer sein, als ihre Entwickler? Und wird künstliche Intelligenz in Zukunft auch kreativ sein können und eigenständig neue Kunstformen erschaffen? Wird es den Beruf Fotograf noch lange geben? Würdet ihr Y.E.S. auf eurer eigenen Hochzeit fotografieren lassen? Und was erwartet uns?

Schreibt uns doch Eure Gedanken dazu - wir sind sehr gespannt!