Fragmentarisch | Kreativität ist ein Mysterium

Fragmentarisch heißt unsere neue Serie, in der wir Euch Fotografen vorstellen möchten, die uns einen Einblick in ihre Art zu Denken und zu Sehen geben. Dabei handelt es sich um Fragmente deren Persönlichkeit und Wissen, welche wie ein Puzzleteil ein Teil des Ganzen sind.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wir stellen regelmäßig eine Frage an Fotografen, die uns oder auch Euch (Vorschläge gerne in die Kommentare oder per Nachricht) besonders auffallen und zeigen hier die Antwort, in der Hoffnung Euch damit inspirieren zu können. Die Fotografen entspringen den verschiedensten Genres. Es gibt also immer eine bunte Mischung zu sehen und zu lesen.

Kreativität ist ein Mysterium und immer wieder ein großes Thema bei uns. Was ist Kreativität und warum zeigt sie sich so gänzlich unplanbar und unvorhergesehen? Wir haben uns gedacht an dieser Stelle besonders kreative und außergewöhnliche Fotografen zu fragen, woraus sie denn Kreativität, Inspiration und auch Muße beziehen. Die Antworten seht ihr hier: 

Ein herzliches Dankeschön an alle Fotografen die mitgewirkt haben!


Birgit Hart

Birgit lebt in München und ist vor allem für ihre analoge Porträt- und Hochzeitsfotografie bekannt. So verwöhnt sie unsere Augen schon seit vielen Jahren mit ihren natürlichen Bildern voller Esprit und Korn. 

Zur Website von Birgit.
"Mich inspiriert alles: Licht, das durch die Jalousie fällt am frühen Morgen. Die Art, wie sich Bäume bewegen (beobachte ich gerne beim Spaziergang mit unserem Hund). Die Natur ganz generell. Und immer wieder: die großen Meister, egal ob Fotografie oder Malerei. Besonders spannend finde ich dabei, wie die Portraitierten (in die Kamera) schauen. Diese spezielle Verbindung von Fotograf oder Maler und Model ist faszinierend. Inspiration finde ich auch in Filmen, vor allem was Blickwinkel und Lichtsetzung angeht." 
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Thomas Leuthard

Thomas ist ein bekannter Street Fotograf aus der Schweiz. Er hat mehrere Bücher geschrieben, die Euch kostenlos auf seiner Website zur Verfügung stehen. Außerdem gibt er regelmäßig Workshops und produziert einen Podcast.

"Für mich ist Kreativität ein stetiger Kampf, anders und aussergewöhnlicher zu sein, wie andere Fotografen. Dies gelingt mir, indem ich jeweils den Aufnahmestandpunkt sowie die Bildgestaltung hinterfrage und erst dann abdrücken, wenn es für mich passt. Inspiration beziehe ich aus allem, was täglich auf uns einprasselt. Das kann eine Plakatwerbung, eine Arbeit eines anderen Fotografen oder einfach eine ausgefallene Idee sein, die mir unter der Dusche plötzlich einfällt. Eine Muse im herkömmlichen Sinn habe ich nicht, aber oftmals entstehen auch viele Dinge aus dem Gespräch mit anderen Fotografen auf Photo Walks, Workshops oder beim Podcasten." 
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Juliana Socher

Juliana lebt in Dresden und fotografiert unter „Chrononauts Photography“ das scheinbar Unscheinbare und das schnell Übersehene auf Hochzeiten. Vor kurzem hat sie zusammen mit Ulrike Scherzer den Buchhandel mit ihren Geschichten und Portraits aus dem Buch Altweiberwohnen bereichert.

"Welche Bilder gehören in eine gelungenen Reportage? Wie lässt sich Vertrautheit darstellen? Welche Pose symbolisiert Zweisamkeit am besten? Um kreativ zu sein, muss ich mich diesen Fragen ohne fertige Antworten stellen. Ganz im Sinne der Street Photography möchte ich mich frei machen von vorgefertigten Bildern, Posen und Stereotyp-Gedanken und mich gänzlich von meiner Umwelt inspirieren lassen – das Leben schreibt schließlich die besten Geschichten. Ich setze also auf Echtzeitinspiration und reagiere mit meinen künstlerischen Mitteln auf das, was mir meine Sinne berichten. Dazu leihe ich mir das Handwerkszeug des Geschichtenerzählens, lasse mich von Personen, Handlungsorten, Kontexten mitreißen, suche Pointen, Happy Ends oder raffinierte Plot Twists, arbeite mit Wiederholungen und Brüchen. Kreativität schöpfe ich aus der Beobachtung, die mir im besten Fall zu einer inspirierten Reaktion verhilft: Willkommen in Julianas Impro-Theatershow!"
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Julia Erz

Julia hat sich auf dokumentarische Kinder- und Familienfotografie spezialisiert. Eine Disziplin, die hierzulande noch nicht allzu bekannt ist. Ihre Bilder von Kindern und Familien sind voller Leben und Authentizität. 

„Collect moments, not things!“, so lautet mein Hauptmotto in meiner Art und Weise, wie ich den Ansatz meiner dokumentarischen Familienfotografie beschreiben würde. Nicht nur, weil ich eine Ansammlung von Gütern und Gegenständen für mich als nur kurzfristig „glücksbringend“ erfahre, sondern vor allem deshalb weil mich Momente inspirieren. Momente, die andere Menschen bisweilen nicht wahrnehmen, Momente, die das Leben, so wie es sich aktuell abspielt auf den Punkt bringen - sie stellen meine Inspirationsquelle dar. Durch Beobachten und bloßes Wahrnehmen der Menschen, der Umgebung und des Lichts ergeben sich mir Augenblicke, die ich am liebsten sofort mit meiner Kamera aufnehmen möchte. Diese Situation auch „auszuhalten“ auch ohne den Moment mit der Kamera aufgenommen zu haben - das fällt mir mitunter sehr schwer und lässt meine Inspiration dann zugleich auch ein bisschen schwermütig erscheinen. 
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Habt ihr eine interessante Frage oder möchtet hier Antworten von bestimmten Fotografen, die Euch immer wieder inspirieren, sehen? So hinterlasst gerne einen Kommentar oder schreibt uns eine Nachricht!